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Über das Jodeln
Das Jodellied früher und heute
Die Literatur war früher mehr auf Chöre abgestimmt. Heute gibt es
viele Partituren für Kleinformationen. Auch die Vokalisation (Jodelworte)
haben sich geändert. Der Grund dafür dürfte darin liegen, das
die früheren du ja ho oder ri di ja ho nicht so
sangbar und wohlklingend waren wie die heutigen jo u lu lü ju
oder jo ho lü jo.
Intonierte man früher eher ungepflegt und laut, legt man heute grossen
Wert auf eine gute Aussprache, auf dynamische Gestaltung und eine sorgfältige
Tongebung. Das Ziel heisst: Gepflegten, aber natürlichen Gesang. Nur so
finden die Melodien ihre Übertragung von Herz zu Herz.
Die Komponisten und ihre Literatur
Die Altmeister des Berner - Jodleliedes waren Jean Clemençon, Emil Herzog,
Johann Rudolf Krenger und Oskar Friedrich Schmalz. Für die Solisten war
es vor allem Jakob Ummel. Aus jüngerer Zeit sind die Kompositionen von
Ernst Sommer und Adolf Stähli. Natürlich hat es auch zahlreiche junge
Komponisten, welche ihr Handwerk verstehen. Kompositionen, welche sangbar und
gut zu verstehen sind, werden sehr oft gesungen.
Wenn man sich vor zwanzig Jahren durch die Partituren (Notenblätter) arbeitete,
fand man vorwiegend Texte aus dem Küher- und Älplerbeben. Ganz langsam
haben sich die Texte einer neuen Zeit angepasst. Man besingt vermehrt einen
eigenartigen Menschen oder lustige Begenbenheiten aus dem Leben. Themen aber,
welche nicht in die Jodlerreihen passen, wie etwa Umweltprobleme oder hohe Politik,
kommen in keinem guten Jodellied vor. Nicht zu vergessen ist der Naturjodel.
Seine Geschichte geht bis zu den Urvölkern zurück. In den Bergen diente
er zur gegenseitigen Verständigung der Älpler und hat immer ein Ruf-
und ein Echomotiv. Es gibt zahlreiche überlieferte Naturmelodien, welche
nicht aufgeschrieben sind. Einer zweistimmigen Jodelmelodie werden bis zu sechs
Begleitstimmen beigeführt, deren Harmonie im Berner Oberland etwas anders
anmutet als im Unterland.
Nachwuchsförderung
Der Nachwuchsförderung wird ein grosses Augenmerk geschenkt. Bis vor wenigen
Jahren gab es in dieser Hinsicht recht wenig auf Verbandsebene. Innert kurzer
Zeit wurden siebzehn Kinder - Jodlerchöre gegründet, welche ausgezeichnet
funktionieren. Die Kinder sind das Nachwuchspotential unseres Jodelliedes und
werden dementsprechend sorgfältig behandelt.
Weiterbildungskurse
Im BKJV wird das Kurswesen grossgeschrieben. Gut ausgebildete Leute sind der
Jodlersache zuträglich und das beste Zukunftskapital. Diese Kurse dienen
zur Weiterbildung von Sängern, JodlerInnen, Dirigenten und Jurymitgliedern.
Ausblick
Unser Brauchtum soll weiterleben! Es soll den unzähligen Anhängern,
welche die Wurzeln beim Jodel haben, ein Ruhepol in einer schnelllebigen Zeit
bleiben! Auch wenn es beim Volksbrauchtum nicht so schnelle Veränderungen
gibt wie in Wirtschaft und Politik, so sind die Menschen, die dahinterstehen,
dennoch nicht hinter dem Mond oder unintelligent. Die Anhänger
des Jodelns wissen aber alte Werte zu schätzen und gehen nicht sofort jeder
Modeströmung nach. Das bewahrt sie vor bösen Überraschungen!
Am Neujahrstag 1999 hat der Verband eine stattliche Mitgliederzahl von 8288
Personen. Diese setzt sich zusammen aus 261 Gruppen mit insgesamt 4105
Gruppenmitglieder und 4183 Einzelmitglieder.
Marianne Weingart
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